1380 Kilometer später – ich hab Rücken!

20150412-18

Nee, ganz so schlimm ist es nicht, aber mal von vorne. In drei Tagen bin ich bis nach Edinburgh gefahren, inklusive Fähre, weil das bei schlechtem Wetter und Sturm immer besonders viel Spaß macht :-) In England war dann übrigens tolles Wetter, blauer Himmel, Sonnenschein. Nur mal so zur Info, von wegen immer nur nebelig und so.

Im Vorfeld hatte ich die Route schon ausgetüftelt – Ratschläge gab’s auf diversen Webseiten, in Reiseführern und auf der guten alten Straßenkarte. Und da man auf den Autobahnen eh nicht so schnell fahren darf wie bei uns, kann man genauso gut die „scenic route“, also die landschaftlich schönere Strecke nehmen. Davon muß man dann nur auch sein Navi überzeugen.

Wie gesagt habe ich die erste Nacht in Oxford verbracht und bin dann von dort über die M40 schön nach oben, äh, Norden gefahren. Der erste Fotostopp war an der Chesterton Windmill aus dem 17. Jahrhundert, die mitten im Nichts auf einem Hügel umringt von Feldern steht.
Den zweiten Stopp hätte ich mir sparen können – Kenilworth Castle fand ich jetzt nicht sooo spannend. Vielleicht tu ich dem Schlösschen aber auch unrecht, ich hatte keine Lust, den Eintritt zu zahlen und bin also nicht reingegangen.

Da das Wetter plötzlich ziemlich schlecht wurde und es kräftig geregnet hat, bin ich ein langes Stück Autobahn M6 gefahren, bin dann aber abgefahren und etwa ab Kendal über Nebenstraßen weitergefahren, als ganz plötzlich der Regen weg und die Sonne wieder da war.

Nebenstraßen in England sind eine spannende Sache, ähnlich wie in Frankreich. Zum einen hätte ich nicht gedacht, daß es hier so gebirgig ist. Zum anderen waren sich die anderen Verkehrsteilnehmer und mein Navi einig, daß man über die sehr schmalen, steilen Straßen ruhig mit 100 Sachen rauf und runter brettern kann. Angesichts der zahlreichen tiefen Schlaglöcher war ich aber anderer Meinung. Und außerdem wollte ich ja was von der Gegend sehen. Gott sei Dank gibt es unzählige kleine Parkbuchten, in die man kurz ausscheren kann, um Fotos zu machen – oder die Polonaise, die sich hinter einem gebildet hat, vorbei fahren zu lassen.

Es ging vorbei an entzückenden kleinen Häusern, die voll das Klischee der idyllischen Cottages erfüllt haben, und durch Ortschaften mit fünf Häusern und einem Hotel, das groß an der Hauswand damit wirbt, daß jetzt alle Zimmer ihr eigenes Bad haben!

Da das Wetter dann doch wirklich schön war – naja, eigentlich sah es nur schön aus, denn es war a*kalt und ganz schön windig, was mir im Auto aber natürlich egal war – bin ich den langen, aber landschaftlich doch sagenhaften Umweg über die A686 gefahren, die angeblich eine der schönsten Strecken in Großbritannien ist. Ich hab jetzt nicht so viele Vergleichsmöglichkeiten, aber das kann schon stimmen. Und wieder einmal war ich sehr dankbar, ein Automatik-Auto zu fahren. Verdammt, war die Strecke steil! Aber die Aussicht – der Hammer. Es ging so hoch hinaus, ich habe Schnee gesehen. Nicht auf weit entfernten Hügel, sondern direkt neben mir auf den Wiesen. Es waren 4°C!

Beobachtung des Tages: Rebhühner sind wirklich lebensmüde kleine Tiere. Oder vielleicht fahren da auch so wenig Auto vorbei, daß sich die Gefahr noch nicht herumgesprochen hat. Jedenfalls habe ich genauso viele lebendige wie tote Tiere gesehen. Die sind so ein bisschen wie Fahrradfahrer in Münster oder Fußgänger in New York. Wenn die die Straße mal betreten haben, dann laufen die weiter. Und wenn ein Auto kommt, wird kein km/h zugelegt – „jetzt laufe ich hier, halt du doch an!“. Was hatten die Glück, daß ich dort ziemlich alleine und langsam unterwegs war.

Und auch sonst habe ich relativ viel „Roadkill“, also tote Tiere auf der Straße und am Straßenrand gesehen. Was ich erst für Waschbären gehalten habe, müssen Dachse gewesen sein. Erstere gibt’s auf der Insel scheinbar (noch) nicht. Aber im platten Zustand sind die schwer zu unterscheiden.

Ups-Moment des Tages: man fährt kurz links ran und springt aus dem Auto, um bei Sturm und Regen ein schnelles Foto auf der anderen Straßenseite zu schießen, und merkt erst dann, daß man weder die Handbremse angezogen noch den Park-Gang eingelegt hat, als das Auto sich doch erstaunlich zügig ganz alleine in Bewegung setzt. Da wird man flott!!!

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